Woohoo, ein Bernd das Brot Spiel! Also … ein richtiges! Und dann auch noch in Form eines Point’n’Clicks. Und zwar von … Deep Silver … mist. Es hätte so schön werden können.

Bernd das Brot und die Unmöglichen

Gesteuert werden Chili, Briegel und Bernd. Nicht in dieser Reihenfolge, aber abwechselnd. Viel Bernd, wenig Briegel und ein einziges, nicht ganz fünf Minuten langes mal, Chili. Der Fokus liegt offensichtlich auf Berndi, was bei diesem Titel ja auch Ok ist. Die zwei, drei Rätsel, in denen Briegel den Protagonisten mimt, sind viel zu einfach und schnell vorbei. Das eine mit Chili hingegen brachte mich zur Verzweiflung. Hier liegt an sich auch das Problem des ganzen Spiels: Die meisten Rätsel lassen sich nur sehr wohlwollend als welche deklarieren, was übrig bleibt bringt den Spieler dazu, seine Raufasertapete anzustarren und Mehlsuppe zu schlürfen. Ob das an unfairem Rätseldesign, Bugs und/oder keiner/schlechter Reaktion auf Klick auf Hotspot liegt, ist hingegen relativ ausgewogen. Der Regisseur kann sich zwar wunderbar in seine Charaktere eindenken, aber es scheint sein Erstlingswerk auf dem Gebiet zu sein.

Die Story plätschert im Berndi-Filme-Stil vor sich hin, geleitet durch typische Witze, untypisch wenig Pech und wirklich unpassender und nerviger Charakterentwicklung. An jeder Ecke wird die vierte Wand eingerissen. Und wenn gerade keine zur Hand ist, muss eben die runde Flugzeugtür herhalten.

Vermutlich habe ich es der Deponia Triologie zu verdanken, mit dem UI des Berndiventures so unzufrieden zu sein. Das Inventar ist eine kleine Leiste, die niemals mehr als zehn Objekte hält. Entsprechend häufig gelangt man an PNRs. Um sich Hotspots auf dem Screen anzeigen zu lassen, muss erst über eben diese Liste gefahren und ein Button geklickt werden. Ich bin wohl einfach faul geworden. Aber Daedalic macht es einem auch leicht. Drei Tasten Tasten, Scrollen fürs Inventar. Anderes Thema.

Viel Zeit gekostet hat die Notwendigkeit, Aktionen mehrfach auszuführen zu müssen, um zu einem Resultat zu gelangen. Auch dann, wenn es bei den ersten drei Versuchen keine abweichende Reaktion zu bestaunen gab. Oder das mehrfache Besuchen des selben Screens in verschiedenen Phasen des Spiels. Hier können die selben Objekte Hotspots sein, diese generieren aber nicht bei jedem mal identische Reaktionen. Das Flugzeug bspw. wird mindestens drei mal besucht, zwei Objekte (Gepäckfächer) sind beim ersten mal benutz- und anschaubar. “Benutzen” resultiert beim ersten Besuch in “Nein.”, beim zweiten in “Oh, schau mal! Ein Item!” und beim dritten lässt es sich gar nicht mehr anklicken. Abgesehen davon, hätte man an dieser Stelle anstatt dem bekannten “Meine Arme sind zu kurz” zum Beispiel ein “Entwickler, meine Arme sind zu lang! Was soll das?” erwarten können.

Abgesehen davon: Es ist immerhin Tommy Krappweis’ erstes Spiel. Das bemerkt man zwar hin und wieder, stärker scheint aber seine Liebe dem Medium gegenüber durch. Auch Prinz Dümmlich wurde, genau wie ganz, ganz, ganz viele Running Gags aus Serien und Filmen, grandios umge- und übersetzt. Bei dem Prinzen wurde sogar darauf Wert gelegt, ihn genau so schlecht zu verkleidet durch die Screens zu jagen, wie im Fernsehen!

Ich musste häufig lachen, weil die Witze nur selten gewollt wirken und es einen solchen Spaß bereitet, Bernd in die ihm zugedachten Fallen zu locken, oder ihn nur mit etwas storytechnisch relevanten zu quälen, auf das er mal wieder absolut keine Lust hat. Das tröstet zwar nicht über die Spielzeit von vier bis fünf Stunden hinweg, macht diese aber um so lusitger.

Technisch zwar nicht einwandfrei umgesetzt, aber das kennt man ja auch von Spielen anderer Firmen *hust* Daedalic, wo bleibt der Deponia: The Complete Journey Patch? *räusper* nur selten anders. Spielerisch gelungen, auch wenn sich das Konstrukt, an dem sich der Spieler entlang hangelt, etwas gewollt wirkt, lohnt sich der Kauf - Auch für etwas jüngere PnC Fans. Aber nicht zu jung, einige Rätsel sind wirklich Mist. Andere hingegen sind einfach grandios, werden aber leider wiederholt und der Brotagonist gibt zu offensichtliche Hinweise.

Trotz einigen frustrierenden Minuten (die in keinem etwas auf sich haltenden PnC fehlen dürfen), würde ich das ganze zwar mit 8 von 10 LKW Ladungen Yakk-Joghurt bewerten.